Unsere Siebtklässler wuseln sich traditionsgemäß in den ersten Februartagen durch das Skigebiet von Mals in Südtirol. Die Klassen 7a und 7b sind am Samstag schon wieder zurückgekommen und haben viel mehr erlebt als Schneepflug, Parallelschwung und Carving.

„Endlich Sonne!“, ruft einer der Schüler am Donnerstag Morgen, als wir neben der auf 2150 Meter gelegenen Platapatschhütte oberhalb von Mals in voller Ski-Montur stehen und ein gigantisches Panorama, in dessen Herz sich der Ortler erhaben präsentiert, staunend genießen. Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor und Pflegestifte für die Lippen werden ausgepackt. Doch keinen hält es jetzt mehr lange hier oben, alle wollen so schnell wie möglich die Talabfahrt angehen. Einige zerren zügig ihre Skischuhschnallen zu, richten noch einmal die Skibrillen und stürzen sich dann in die weißen Massen. Die Schüler, die hier das Skifahren gelernt haben, tasten sich zunächst noch vorsichtig in großen Schneepflug-Kurven heran, während die Fortgeschrittenen in feinen und eleganten Schwüngen die Ski jauchzend laufen lassen.

Dabei hatte sich der Start der präpubertären Powder-Party recht schwierig gestaltet. Schon am ersten Tag lag dichter Nebel im Hang, immer wieder schneite es. Keine einfachen Bedingungen für unsere Anfängerkurse, doch alle schlugen sich trotz der Ausfälle im Schlepplift und den üblichen Karambolagen auf dem Idiotenhügel sehr wacker. Einige von ihnen hatten so große Fortschritte gemacht, dass sie sich bereits am dritten Nebel-Tag die Talabfahrt zutrauten und diese sicher bewältigten.

Wir können nun endlich auch den oberen Teil des Skigebietes, in den die Pisten-Pioniere mit einem Sessellift befördert werden, nutzen. Es erschließen sich uns zwei neue Strecken, die wir bisher wegen zu schlechter Sicht nicht befahren konnten. Ganz unscheinbar nah liegt da oben am höchsten Punkt des Skigebietes der 2557 Meter hohe Watles neben uns. Die Abfahrten sind bestens präpariert und bieten uns stellenweise traumhafte Tiefschneefreuden. Heute macht keiner lange Pause - alle wollen den Nachmittag nutzen.

Zwischendurch vertreiben wir uns im Lift die Zeit mit munteren Quiz-Fragen: Wie heißen eigentlich die Eltern von Fix und Foxi? Welchen Namen hat das Schiff von Pipi Langstrumpfs Vater? Wer ist denn nochmal die Krösa Maja und wer Clayton Farlow? Kennt einer die Schmidteinander-Hupfdolls oder Marcel Raducanu?

Immer mehr Anfänger trauen sich heute erstmalig den Parallelschwung in den Kurven zu und erkunden vorsichtig die Wirkung der Carving-Ski im Hang. Die Zahl der Stürze nimmt deutlich ab, die Kinder stehen sicherer auf den Ski und trauen sich Tempo aufzunehmen.

Auch wenn lediglich der Donnertag uns als einziger Skitag wolkenfreies Wedeln gewährt, kann dies insgesamt der Stimmung keinerlei Abbruch tun. Einige Freunde des weißen Pulvers gelangen jedoch an ihre physischen Grenzen. Die anstrengenden und ungewohnten Bewegungen im Schnee, die Höhenluft sowie die oftmals kurzen Nächte tragen ebenso dazu bei wie ein stellenweise übermäßiger Konsum von Cola, Schokolade und Chips, die einige schon bald auf unangenehme Weise wiedersehen.

Viel zu schnell neigt sich dieser Traum-Tag seinem wohlverdienten Ende entgegen. Ein letztes Mal suchen sich die Carver ihre Wege durch den Hang. Noch ein abschließender Blick in die Weiten des Vinschgaus und ab geht’s zur Talstation. Die Schüler geben ihre Ski und die Ski-Schuhe bei den freundlichen Mitarbeitern des Skiverleihs ab und überbrücken die Wartezeit, bis der Skibus kommt und uns über Atem beraubende Serpentinen zurück ins Dorf bringt, mit einer ausgiebigen Schneeballschlacht. Wem das nicht reicht, der wirft sich mehrfach in die vom Schneepflug aufgetürmten Schneeberge, um all die Energie, die er tagsüber leider nicht verbrauchen konnte, endlich loszuwerden und auch noch die letzte trockene Stelle der Skibekleidung zu befeuchten.

In der Pension „Ortlerblick“ genießen wir wenig später erneut ein nahrhaftes und leckeres Abendessen. Uno, Skip-Bo und Skat retten uns über den Abend, bis wir endlich - nur gelegentlich von Affenschreien und lauten Morsezeichen an Zimmertüren gestört - in einen tiefen, wohl verdienten Schlaf fallen und von Ernst Vettori, Rantanplan, Jonathan Higgins, Fräulein Rottenmeier und vielen weiteren Größen der Fernsehgeschichte träumen.

Sebastian Schlott