Oskar Schindler - Ein Nazi wird zum Symbol für Menschlichkeit und Zivilcourage

Anlässlich 75 Jahre Befreiung Auschwitz war Dr. Werner Schneider zum zweiten Mal als Referent zu Gast am Anno. Als Experte von Oskar Schindler und dem von Steven Spielberg 1993 inszenierten Film „Schindlers Liste“ zog er die Schülerinnen und Schüler der beiden Jahrgangsstufen EF und Q1 auch diesmal wieder in seinen Bann. Schon einige Wochen zuvor hatten die Jugendlichen sich mit dem leicht gekürzten Film, nach wie vor ein Meisterwerk der Filmgeschichte, darauf vorbereitet.

„Am Beispiel der Lebensgeschichte des Oskar Schindler möchte ich Ihnen verdeutlichen, dass selbst ein Nazi mit Goldenem Parteiabzeichen sich zu einem Symbol für Mitgefühl und Zivilcourage entwickeln kann“, so Werner Schneider. Sein immenses Hintergrundwissen zur Biografie des geldgierigen Krakauer Emaillewaren- und Munitionsfabrikanten Oskar Schindler, der sich zu einem mitfühlenden Menschenretter wandelt, und zu den filmdramaturgischen Intentionen Steven Spielbergs beeindruckte die Jugendlichen tief. Werner Schneider war seinerzeit in engen Kontakt gekommen zu Mietek Pemper, dem jüdischen Sekretär des skrupellosen und für seine Brutalität berüchtigten Lagerkommandanten von Krakau-Plaszow, Amon Göth.
Im Film hat Steven Spielberg diesen Sekretär mit anderen Personen um Schindler und Göth zu einer Person, Itzhak Stern, verschmolzen, der Buchhalter und Vertrauter von Oskar Schindler wird.

Aufmerksam und konzentriert hörten die Jugendlichen dem durch einige Spielszenen angereicherten Vortrag zu. Sie erfuhren vom riesigen Vermögen, das Oskar Schindler auf dem Rücken seiner jüdischen Arbeitssklaven erwirtschaftet hatte. Als die sowjetischen Armeen näherrückten und Schindlers Krakauer Fabrik, heute ein Museum, geschlossen werden sollte, stand Oskar Schindler vor der schwersten Entscheidung seines Lebens: „Gehen oder bleiben? … Sich nach Westen absetzen oder bleiben und versuchen, so viele jüdische Mitarbeiter zu retten, wie es ihm möglich ist?“
Oskar Schindler beschloss, seine Fabrik und seine Arbeiterschaft unter Einsatz seines Vermögens in das 340 km entfernte Brünnlitz zu verlagern und damit über 1000 Männer, Frauen und Kinder vor der Mordmaschinerie der Nazis zu retten.
Was hat Schindler dazu bewogen?

Im Film wird die Frage nach Schindlers Motiven vom skrupellosen und für seine Brutalität berüchtigten Lagerkommandant von Krakau-Plaszow, Amon Göth, gestellt, dem Schindler seine wahren Absichten verschweigt. Im Grunde war es Spielbergs eigene Frage, der seine jüdischen Wurzeln bis dato verdrängt hatte. Mit intensiver, an der Historie orientierter Recherche setzte er mit diesem Kinofilm Oskar Schindler, der nach dem Krieg in Deutschland verarmt und in Vergessenheit geraten war, ein Denkmal. In den wenigen Interviews, die Oskar Schindler je gegeben hatte, hatte er es 1965 einmal so formuliert: „Ein denkender Mensch, der mit dem inneren Schweinehund siegreich fertig wurde, musste einfach helfen. Es war keine andere Wahl.“

25 Jahre nach der Filmpremiere, im Herbst 2018, hat Spielberg gemahnt: „Ich glaube, dies ist die wichtigste Zeit, um den Film wieder in die Kinos zu bringen. Vielleicht ist es heute noch wichtiger, den Film Schindlers Liste wieder in die Kinos zu bringen, als bei seiner Premiere im Jahr 1993. Ich glaube, heute steht mehr auf dem Spiel als damals. Denken Sie an den Anti-Semitismus und an die Fremdenfeindlichkeit in den USA und in der gesamten Welt.“
Werner Scheider, Hobby-Schlagzeuger und, wie er einmal genannt wurde, „Trommler für einen Menschenretter“, erinnert auch an dieses Bekenntnis von Steven Spielberg: „Schindler´s List ist weitaus mehr als nur ein Film für mich, weil ich damit eine tiefgreifende Reise in die Seele eines einzigartigen Menschen unternommen habe und, wie sich herausstellen sollte, auch in meine eigene Seele. Schindler´s List zu drehen, das hat nicht nur meinen Glauben vertieft, sondern meinen Lebensweg verändert. Denn dadurch, dass ich die Geschichte von Oskar Schindler erzählte, habe ich gelernt, wie ein einziger Mensch, nicht eine Armee, sondern ein einziger Mensch die Welt verändern kann.“

Einige O-Töne von Schülerinnen und Schülern nach dem Vortrag im Anno:
- Ich bin sehr geschockt über die Echtheit des Films…Der Film ist aktueller denn je, denn heutzutage ist es wichtig, menschlich zu sein und Zivilcourage auszuüben.
- Mich hat dieser Vortrag sehr zum Nachdenken gebracht.
- Oskar Schindler zeigt, dass es im Leben nicht nur um Geld geht, sondern anderen Menschen zu helfen. Um die Welt zu verändern muss man nicht bekannt sein, man muss es nur wollen und man sollte für sein Ziel kämpfen.
- Die Erklärungen zu den Szenen hat den Film noch spannender gemacht als er schon von vornherein war.
- Es war sehr interessant, zusätzlich zu der Geschichte des Oskar Schindler auch einmal den Hintergrund eines solchen Filmes zu erfahren.
- Es war ein spannender Vortrag, der viel verbildlicht hat und zum Nachdenken anregte. Er hat verdeutlicht, um welche Filmaussagen es wirklich geht und wie wir alle zusammen und jeder einzelne heute für die Zukunft lernen und denken können … reflektiert, überlegt, vorausschauend.
- Wir fanden es sehr interessant, die Unterschiede zwischen Realität und Film zu erfahren.
- Es ist wichtig, dass es immer verantwortungsbewusste Menschen gibt, die sich im Falle eines solchen Debakels gegen das Regime stellen und das Leben anderer über den Eigennutzen stellen.
- Faszinierend, welche Begeisterung Dr. Werner Schneider für Schindler aufbringt. Sehr guter Vortrag.
- Ein sehr gut informierter Mann, der für Oskar Schindler brennt … Ich hätte gern noch mehr gehört.

Annette Hirzel