November 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2

mzs logo schule 2017 web


SoR

zdi3

Sprachzertifikate
 
eclaire

190x200 students
SdF
Unser Anno-Bistro


Auch in diesem Jahr haben sich die fünf Klassen der Jahrgangsstufe 6 des Anno-Gymnasiums im Rahmen der Projektwoche vor den Herbstferien zwei interreligiöse Schultage lang auf den Weg zu den verschiedenen Gotteshäusern in Siegburg gemacht.
Von der freundlichen Herbstsonne beschienen, besuchten 120 Kinder, aufgeteilt in zwei Gruppen, die älteste Siegburger Kirche St. Servatius. Diese dreischiffige Emporenbasilika stammt schon aus dem 12. und 13. Jh. Der Taufstein ist sogar noch älter. Der beeindruckende Hochalter von 1904 diente ursprünglich zur Aufbewahrung des Annoschrein. Daniela Ossowski, Jugendreferentin an der Begegnungsstätte Lukas Zwo, bot den Mädchen und Jungen eine altersgerechte Kirchenerkundung mit allen Sinnen in der vor einigen Jahren aufwendig renovierten und sanierten Kirche am Siegburger Marktplatz.

P1010201

In der evangelischen Auferstehungskirche warfen die Kinder einen Blick auf die evangelische Stadtgeschichte, die schon 1563 erste Spuren gezogen hatte. Schul-Pfarrerin Annette Hirzel machte sie auf die Konzeption der 1957 neu errichteten Kirche aufmerksam, die an der Stelle der im 2. Weltkrieg zerstörten ersten evangelischen Kirche steht. Sie folgt dem Gedanken, Zelt Gottes bei den Menschen zu sein. Staunend entdeckten die Kinder die biblischen Erzählungen auf dem großen Auferstehungsfenster mit seinen 10.000 farbigen Glasplatten.
In der Schule stand Gruppenarbeit auf dem Programm zu gemeinsamen abrahamitischen Wurzeln und zu jeweiligen Besonderheiten in Judentum, Christentum und Islam.

Am zweiten Tag erkundeten die Kinder die DITIB-Moschee in der Händelstraße. Der Dialogbeauftragte der muslimischen Gemeinde, Ridvan Ever, und ihr Imam hießen die Gruppen herzlich willkommen. Alle zogen ihre Schuhe aus, bevor sie die bildlose, aber mit Holzintarsien und Ornamenten kunstvoll verzierte Moschee betraten, und setzten sich auf den mit rotem Teppich ausgelegten Boden. So folgten sie aufmerksam dem Vortrag von Herrn Ever, der ihnen anschaulich die fünf Pflichten des Islam nahebrachte, die den islamischen Glaubensalltag prägen.

P1010351

Danach ging es weiter zur Michaelsabtei auf dem Michaelsberg. Hier wurden sie vom künftigen Prior der Klostergemeinschaft der Unbeschuhten Karmeliten, Pater Rockson Chullikal aus Indien, empfangen. Die Anfänge dieses Gotteshauses reichen bis 1064 zurück und hängen mit dem Namensgeber der Schule, dem Kölner Erzbischof Anno II, zusammen.
Dass für Pater Rockson die drei Gelübde Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam nicht Verzicht, sondern Erfüllung bedeuten, das konnten die Kinder ihm anmerken. Beeindruckt waren sie von der Größe und Erhabenheit, die dieser Ort ausstrahlt.

P1010237

An beiden Tagen bekamen die fünf Klassen auch einen Einblick in die jüdische Geschichte der Stadt und der Region. Den Gedenkbrunnen Am Brauhof neben C&A und Eisdiele kannten viele, wussten aber nicht, dass hier einmal die vor fast genau 80 Jahren zerstörte Synagoge gestanden hatte und der Brunnen an die ausgelöschte Synagogengemeinde mit ihren über 300 Mitgliedern erinnert. Auch bei manchem Stolperstein in der Holzgasse blieben die Kinder stehen, um dessen Namensaufschrift zu entziffern. „Michi und die magische Chanukkia“ lautet der Titel eines Kinderbuches, das mit einer spannenden Zeitreise das ehemalige Wohnhaus und das Leben der jüdischen Familie Seligmann in Rosbach lebendig werden lässt. 120 Kinder lauschten nachdenklich angerührt der einfühlsamen und bebilderten Lesung von Religionslehrerin Petra Staszyk im Anno-Salon der Schule. Dieses Wohnhaus beherbergt die derzeit renovierte Gedenkstätte Landjuden an der Sieg des Rhein-Sieg-Kreises, die die Kinder sicher sehr gern bald einmal selbst erkunden wollen.

Annette Hirzel, Pfarrerin am Anno-Gymnasium
Siegburg, 09.10.2018