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„Schindlers Liste und Spielbergs Botschaft. Ermutigung zu Mitgefühl und Zivilcourage“.
Vortrag von Dr. Werner Schneider: War Oskar Schindler ein Held? Was trieb ihn um? Und was hat Steven Spielberg zu dem monumentalen Film „Schindlers Liste“ bewogen?

Diesen Fragen gingen ca. 170 Jugendliche der Jahrgangsstufen Q1 und Q2 vom Anno-Gymnasium Siegburg auf den Grund, angeleitet durch einen spannenden Vortrag des Siegburger Philologen Dr. Werner Schneider, der im Jahr 2000 mit einer Dissertation über Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ promoviert worden war.

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Dabei war Oskar Schindler mit seinem ausschweifenden Hang zu Reichtum, Luxus und Frauen eine schillernde Figur. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte der 31-Jährige in Krakau eine Emailfabrik aus enteignetem jüdischem Besitz übernommen. Er wollte dank der billigen Zwangsarbeitskräfte „eine schnelle Mark“ machen. Das ist ihm auch gelungen. Aber die jüdischen Arbeitskräfte und deren Familien blieben für ihn nicht Nummern, sondern bekamen mehr und mehr menschliche Gesichter und Schicksale, für die er sich verantwortlich wusste. Ohne den polnischen Juden Mietek Pemper, der im Film aus dramaturgischen Gründen verschmolzen wird mit der Figur des Sekretärs Izhak Stern, wäre die Rettung der ca. 1300 jüdischen Menschen nicht möglich gewesen. Mietek Pemper war als Privatsekretär des berüchtigten KZ-Kommandanten des Arbeitslagers Plaschau bei Krakau, Amon Göth, 540 Tage lang dessen bestialischen Launen ausgesetzt gewesen, konnte so aber seine Kenntnisse von geheimen SS-Unterlagen an Schindler weitergeben. Als die Rote Armee näher rückte, die Fabrik geschlossen und alle Arbeitskräfte nach Auschwitz oder auf Todesmärsche geschickt werden sollten, gelang es Schindler, die gesamte Fabrik nach Brünnlitz im Sudetenland zu verlagern. Denn sie wurde wegen der Produktion von Granathülsen als "kriegswichtiger" Betrieb eingestuft. Eindrucksvoll beschreibt Dr. Schneider diesen gigantischen Umzug von Menschen - Frauen, Männern, Kindern – und Maschinen mit 250 Eisenbahnwaggons in den damaligen Kriegswirren samt den dafür notwendigen Aufbauarbeiten in Brünnlitz. Schindlers riesiges Millionenvermögen ging dabei drauf, er selber, schon vorher mehrfach inhaftiert, riskierte sein Leben - und blieb nach dem Krieg „Pleitier“.

Erst 1993, zwei Jahrzehnte nach seinem Tod am 9. Oktober 1974, wurde dieser Mann berühmt, der seine letzten Lebensjahre in Frankfurt in einer mehr als bescheidenen Wohnung hinter dem Bahnhof verbracht hatte und auf seinen Wunsch hin von „seinen“ nach Israel ausgewanderten Juden in Jerusalem begraben worden war. Er hatte einmal auf die Frage nach seinem Motiv geantwortet: „Ein denkender Mensch, der mit dem inneren Schweinehund siegreich fertig wurde, musste einfach helfen. Es war keine andere Möglichkeit.“

Steven Spielberg, tief berührt von dieser Lebensgeschichte durch einen historischen Roman über Oskar Schindler, setzte ihm mit seinem Film „Schindlers Liste“ ein weltweit berühmtes Denkmal.

Diesen über 3-stündigen Film hatten alle Schülerinnen und Schüler der Jgst. 11 (Q1) vor den Herbstferien in leicht gekürzter Version gesehen.
Wichtiger Berater für Steven Spielberg bei seiner 10-jährigen Filmplanung war der Augenzeuge Mietek Pemper geworden, mit dem auch Dr. Werner Schneider über viele Jahre intensiv in Kontakt gestanden und somit Kenntnisse aus erster Hand erhalten hatte.

Dr. Schneider konnte durch seine spannende historisch-biografische Zusammenschau mit der im Film dargestellten Wahrheit den Jugendlichen auf einfühlsame und nachvollziehbare Weise verdeutlichen: „Oskar Schindler steht … in Spielbergs Intention als ein Jedermann da, der nicht für sich, sondern vorausschauend für alle diejenigen steht und spricht, die eine Antwort auf die Frage finden müssen „Wer bin ich? Was tue ich, was werde ich tun, wenn ich Menschen in Bedrängnis und Todesgefahr sehe?“

Steven Spielbergs eigene Botschaft, filmdramaturgisch fokussiert in seinem mit 7 Oscars ausgezeichneten Meisterwerk, traf auf offene Ohren: " 'Schindlers Liste' ist weitaus mehr als nur ein Film für mich, weil ich damit eine tiefgreifende Reise in die Seele eines einzigartigen Menschen unternommen habe und, wie sich herausstellen sollte, auch in meine eigene Seele. Schindlers Liste zu drehen, das hat nicht nur meinen Glauben vertieft, sondern meinen Lebensweg verändert. Denn dadurch, dass ich die Geschichte von Oskar Schindler erzählte, habe ich gelernt, dass ein einzelner Mensch, keine Armee, sondern ein Einzelner, den entscheidenden Unterschied ausmacht."

Gern hatte die Schule das kostenlose Vortragsangebot zu diesem besonderen und leider inzwischen in Vergessenheit geratenen Thema angenommen. Dass Oskar Schindler und seine für ihn persönlich waghalsige und folgenschwere Entscheidung zur Rettungsaktion immer wieder dem Vergessen entzogen zu werden verdient, wurde den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern unmissverständlich deutlich.

Bei seiner Begrüßung wies der Direktor des Anno-Gymnasiums, Sebastian Kaas, auf die am Anno zur selbstverständlichen Tradition gewordene Gedenkarbeit im Rahmen der Holocaust-Didaktik hin, die der schulischen Selbstverpflichtung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ entspricht. Schul-Pfarrerin Annette Hirzel führte zu Beginn der Gedenkveranstaltung mit einer Bilderschau in die historischen Hintergründe des 9. November 1938 ein.

Bei der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland an Steven Spielberg im Jahr 1998 hatte der damalige Bundespräsident Dr. Roman Herzog Worte gefunden, die bis heute auch im Blick auf die engagierte Vortragsarbeit von Dr. Werner Schneider zu Oskar Schindler und Steven Spielberg Gültigkeit behalten:

„Je mehr uns die Gegenwart lebendiger Zeitzeugen abhanden kommt, desto wichtiger wird es, andere Formen zu finden, die uns unsere Geschichte sinnlich erfahren lassen. Mit Ihrem Film Schindlers Liste haben Sie dem Grauen und der Hoffnung Gesichter gegeben. Und Ihr Film hat gezeigt, dass die persönliche Verantwortung des Einzelnen niemals erlischt – auch nicht in einer Diktatur. Wir müssen keine perfekten Helden sein, aber wir haben die Pflicht zu handeln, selbst wenn es scheint, dass wir mit einem Löffel den Ozean ausschöpfen. ‚Wer nur einem Menschen das Leben rettet, rettet die ganze Welt.‘ Das ist die Botschaft …an die kommenden Generationen.“

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Im Jahr 2016 ist im Bernstein-Verlag in Siegburg das sehr zu empfehlende Buch von Werner Schneider erschienen :

„Oskar Schindler. Steven Spielberg. Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“

Annette Hirzel, Pfarrerin

O-Töne von Schülerinnen und Schüler:
- Es war beeindruckend, die Hingabe zu erleben, mit der Dr. Schneider schon seit Jahren dafür kämpft, dass Oskar Schindler nicht aus dem Gedächtnis der Deutschen verschwindet.

- Der Vortrag von Dr. Schneider war sehr realitätsnah. Mich hat besonders begeistert, wie viel ihm an dem Thema liegt und daran, es uns näher zu bringen. Obwohl er den Vortrag schon mehrfach gehalten hatte, war er doch in keiner Weise langweilig oder langatmig. Herr Dr. Schneider war in der Lage, die Schüler (zumindest mich) zu begeistern und denjenigen, die sich vorher nicht mit dem Thema beschäftigt hatten, einen Einblick zugeben. Hierbei schaffte er es, sich sehr klar auszudrücken, ohne mit Fachbegriffen um sich zu werfen, wo man doch meinen sollte, dass jemand, der sich seit 20 Jahren mit dem Thema befasst, eine Menge Fachbegriffe kennt und nutzt. Ich würde mich freuen, Herrn Dr. Schneiders Vortrag nochmal hören zu können.

- Der Vortrag von Herr Schneider gefiel mir unglaublich gut - nicht nur, weil er einen besonders interessanten und neuen Blick auf den Film ,,Schindlers Liste“ von Steven Spielberg ermöglichte, sondern auch, weil er aktuelle Themen und Geschehnisse mit in seinen Vortrag einbaute. Außerdem fand ich besonders interessant und beeindruckend, dass Herr Schneider uns von seiner Begegnung mit einem der Schindler-Juden, Mietek Pemper, erzählte, dies gab dem Vortrag eine noch tiefere Ebene.

- Der Vortrag von Herrn Schneider war meiner Meinung nach ein voller Erfolg. Er zeigte sowohl eine neue Sichtweise auf den Film Schindlers Liste als auch auf die Person Oskar Schindler und die Person Steven Spielberg. Der Vortrag war eine lehrreiche Ergänzung zu dem Film und zu der Person Oskar Schindlers. Abschließend kann man sagen, dass der Vortrag sehr empfehlenswert ist.