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Es zischt. Dampfend brodelnde Tropfen wabern über den grauen PVC-Boden unter zwei Stuhlreihen hindurch. Auf den Stühlen 22 Schülerinnen und Schüler, ihre Füße auf den Stuhlbeinen in Sicherheit gebracht. „Solange ihr keine Löcher in den Schuhen habt, kann eigentlich nichts passieren“, beruhigt Dr. Jan Bechert die staunenden Zuschauer. „Aber wenn ihr auf die Tropfen drauftretet und etwas unter euer Hosenbein spritzt, kann flüssiger Stickstoff auf eure Haut kommen. Das wäre eher unangenehm.“
Spätestens jetzt ist allen Teilnehmern klar, warum festes Schuhwerk für diesen Tag verpflichtend war. Stickstoff verflüssigt sich bei etwa minus 195 Grad Celsius. „Wenn die Flüssigkeit den vergleichsweise warmen Boden berührt, ist das etwa so, wie wenn Wasser in eine heiße Pfanne tropft“, erklärt der Diplom-Biologe weiter. Bechert ist in führender Position im School Lab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig. An diesem Tag bringt der Wissenschaftler der Klasse 8c des Anno-Gymnasiums die Geheimnisse des Weltraums näher. Die fünf Mädchen und 17 Jungs, die sich für einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt in ihrer Schullaufbahn entschieden haben, besuchen das DLR im Rahmen ihrer Projektwoche. Es ist Freitag, der 20. Oktober, der letzte Tag vor den Herbstferien und ein gebührender Abschluss für die Projektwoche der Achtklässler.

Außer dem Verhalten von Werkstoffen erfahren die 13- bis 14-Jährigen mehr über Gravitationsbiologie, Schwerelosigkeit und über das Leben der Astronauten auf der internationalen Raumstation ISS. Unter anderem ist auch die Ernährung der Crew ein wichtiges Thema. Wegen des Gewichts und der Anforderungen im All wird die Nahrung extra in einer Art Trockenform hergestellt. Jeder Astronaut habe sich sein Leibgericht für seine Mission anfertigen lassen. „Und was meint ihr? Welches Gericht hat sich unser Kölner Astronaut, Alexander Gerst, als gebürtiger Schwabe zubereiten lassen?“, fragt Bechert die Schülerinnen und Schüler. „Döner!“, lautet die überzeugte Antwort aus dem Publikum. Der Wissenschaftler schmunzelt: „Fast. Es waren Spätzle. Aber auch Döner ließe sich für eine Mission aufbereiten.“

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Nach dem einführenden Vortrag teilen sich die Jugendlichen in Kleingruppen auf, um bei verschiedenen Experimenten noch mehr über Weltraum und Raumfahrt zu lernen. Dafür hat das School Lab Köln die große Zentrifugenhalle des DLR in ein wahres Forschungslabor umgebaut. Dort können die Jugendlichen neben Werkstoffen und Wärmebildkameras auch einen Roboter durch eine künstliche Marslandschaft manövrieren. „Mission to Mars“ ist der klangvolle Name dieser Forschungsstation. Begleitet werden die Gruppen von einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin und Studenten der Naturwissenschaften von der Universität zu Köln. Die hervorragenden Rahmenbedingungen des DLR und die kompetente Umsetzung des Projekts haben erneut gezeigt, wie gewinnbringend eine Exkursion für junge Lernende sein kann. Derartiges Fachwissen mit diesen Möglichkeiten zu vermitteln, wäre im Schulalltag undenkbar.
Zum Abschluss versammeln sich alle Schülerinnen und Schüler auf dem Platz vor der Zentrifugenhalle. „Stellt euch mit genügend Abstand zu uns an den Container auf“, bittet Bechert sein Publikum für die letzte Präsentation des siebenstündigen Lerntages. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter kippt den restlichen flüssigen Stickstoff auf den Asphalt, mit einem leisen Zischen steigen dichte Nebelschwaden auf. „OK. Wenn ihr vorsichtig geht, könnt ihr jetzt auch mal da durchlaufen.“ Und so verabschiedet sich die Klasse 8c mit einer Nebelwanderung bei klarem Sonnenschein in die Herbstferien.

Thomas Reinhart