Das Sprichwort „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ hatten die Mädchen und Jungen der evangelischen Religionsgruppe Jgst. 7 noch nicht gehört. Aber es leuchtete ihnen ein. Um so spannender für sie, an einem ganz speziellen Ort, der Trauerhalle auf dem Nordfriedhof, der Frage nachzugehen, „und wenn das letzte Hemd doch Taschen hätte“. Damit hatten sich gleichaltrige Schüler/innen der Gesamtschule Waldbröl mit Elke Kremer vom Hospizdienst Waldbröl intensiv und kreativ auseinandergesetzt.

Anlass dafür war der 7. Siegburger Tag des Friedhofs im September 2016, an dem sich in den Vorjahren auch immer wieder Schülergruppen vom Anno beteiligt hatten. Sein Anliegen ist es, die oft tabuisierten Themen Abschied, Sterben, Trauer und Tod dahin zu holen, wo sie hingehören: ins Leben.
Bei strahlender Herbstsonne machte sich die Gruppe mit ihrer Lehrerin, Pfarrerin Hirzel, und der Referendarin Frau Jones in ihrer Reli-Doppelstunde auf den Weg zum Nordfriedhof. Empfangen wurden sie von Walter Kühn, Mitinitiator der Siegburger Tage des Friedhofs und zusammen mit seiner Frau Initiator eines ganz besonderen Treffpunktes auf dem Friedhof, dem Café T.O.D. Hier können sich seit Jahren Friedhofsbesucher, Trauernde, Spaziergänger bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen ausruhen und miteinander ins Gespräch kommen.

hirzel2Herr Kühn führte die Gruppe in die beeindruckenden künstlerischen Arbeiten in der Trauerhalle ein, die dort bis November zu sehen ist: Die 11- bis 13-jährigen Waldbröler Schüler haben 30 weiße OP-Kittel zu „Paradieshemden“ umgestaltet, 7 Wochen lang gemalt, genäht, geklebt, geschnitten. Dann haben sie ganz unterschiedliche Personen - Bürgermeister, Ärzte, Auszubildende - gebeten, die Taschen mit Dingen und Zeilen zu bestücken, die sie auf die letzte Reise mitnehmen würden, „wenn das letzte Hemd Taschen hätte“. Interessant, was sich da angesammelt hat an Fotos, Botschaften, Lieblingsstücken… und was die Schülergruppe dazu auf Schautafeln erklärt hat.

Gern ließen sich die Kinder von HerrnKühn danach auch das Café T.O.D. zeigen und an den bunten Totenbrettern vorbei, die seinerzeit Schüler vom Anno gestaltet hatten, bis zum Sternenkindergrab führen. Hier sind Kinder bestattet, die schon tot zur Welt gekommen. Auch das Großelterngrab eines Mitschülers lag auf dem Weg, an dem die Schülergruppe innehielt. Einige von ihnen waren zum ersten Mal auf einem Friedhof. Am Ende waren sie sich alle einig, dass diese Exkursion an diesen oft unbeachteten Ort mit seinen vom Tod und vom Leben gezeichneten Eindrücken sich gelohnt hat.

Annette Hirzel