Aus aktuellem Anlass trafen sich die evangelischen und katholischen Religionskurse der Q2 mit ihren Fachlehrern Frau Hirzel, Frau Engel und Herrn Pollmann, um ausgehend von einem Dokumentarfilm das historische Ereignis zu thematisieren. Einige Kurse hatten Berlin auf ihrer Studienfahrt im Herbst besucht, die geprägt war von den bevorstehenden Feierlichkeiten zu 25 Jahre Mauerfall.

Frau Hirzel hatte von ihrer Privatreise in den Herbstferien eine aktuelle Filmdokumentation mitgebracht. Mit Original-Filmaufnahmen und Fotografien aus den Beständen des Landesarchivs Berlin bekamen die Jugendlichen einen eindrücklichen Überblick vom Beginn der über 150 km langen Einmauerung von Berlin-West im Jahr 1961 bis zum Fall 1989. Noch am 15. Juni 1961, kurz vor Baubeginn, hatte der damalige DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht in einer Pressekonferenz auf Nachfrage geantwortet: „Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen.“

Diese Mauer „wurde weltweit … zum Symbol für den Bankrott einer Diktatur, die ihre Existenz nur dadurch zu sichern vermochte, dass sie ihre Bevölkerung einsperrte“ (Landeszentrale für politische Bildung).

Für die Siebzehn- bis Achtzehnjährigen ist der Mauerfall vor 25 Jahren nun tatsächlich ein historisches Ereignis, für die Lehrkräfte ist es erinnertes Erlebnis. Ganz gleich, ob Ereignis oder Erlebnis, der impulsgebende Film verstand es, die Geschehnisse vom Bau bis zum Fall der Mauer sachlich und emotional darzustellen.

Dabei sahen die Schülerinnen und Schüler Aufnahmen, die man in den üblichen Präsentationen nicht findet. Verschiedene Perspektiven wurden anhand unterschiedlicher Berliner Stadtteile aufgezeigt: Soldaten, die sich nach getaner Arbeit stolz vor der errichteten Mauer fotografieren lassen, zugemauerte Haustüren, durch die niemals mehr jemand gehen sollte, Menschen, die sich noch über der halbhohen Mauer unterhalten und sich auf beiden Seiten zuwinken, bevor sie ihren Blick aufeinander versperren wird.

Die Unglaublichkeit der damaligen Situation, das Skurrile, das Absurde des Geschehens wird von den Schülerinnen und Schülern nachempfunden. Was werden wohl die Menschen damals gefühlt haben? Drei Millionen Menschen flüchteten aus dem Unrechtstaat, bis die Mauer fiel. O-Ton eines ehemaligen DDR-Bürgers, der geblieben ist: „Wir lernten, mit der Mauer zu leben.“

Der Film zeigte auch, dass der Fall der Mauer viele Helfer hatte. Mit seinem berühmten Satz „Ich bin ein Berliner!“ hatte sich der amerikanische Präsidenten J.F. Kennedy 1963 bei seinem Berlinbesuch weltweit unüberhörbar für die Freiheit Berlins eingesetzt. 1987 hatte Präsident Ronald Reagan in seiner berühmten Berliner Rede gerufen: "Mr. Gorbatschow, open this gate. Mr. Gorbatschow, tear down this wall.“ Diese Worte – sie trafen damals eher auf skeptische bis spöttische Ohren - veränderten die Welt.

Die Intention des Films, Sensibilisierung und Mahnung für die nachfolgenden Generationen zu sein, ist offensichtlich geworden. Am Ende des Films sah man einen Teil der Mauer, auf den jemand mit Farbe in großen Buchstaben geschrieben hatte: „Made in Germany“. Wie auch immer man dies verstehen mag: Mauern zwischen Menschen, egal ob aus Stein, aus Worten, aus Gefühlen, sind unmenschlich.

Annette Hirzel, Cordula Engel