Zum zweiten Mal haben Mädchen und Jungen der 6er-Klassen in der Projektwoche vor den Herbstferien die Chance genutzt, Gotteshäuser in Siegburg zu besuchen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszufinden. Die beiden Religionsfachschaften hatten dieses Religionenprojekt im vergangenen Jahr angestoßen, um das interkulturelle Lernen und Zusammenleben zu fördern.

Und wie bestellt lachte der Himmel am Goldenen 1. Oktober, als die Kinder mit ihrer Klassenlehrerin Frau Frisch, mit Frau Staszyk, katholische Religion, und Pfarrerin Hirzel, evangelische Religion, sich auf den Weg zur Siegburger Moschee der DITIB türkisch-islamische Gemeinde Siegburg e.V. in der Händelstraße machten.

Sie wurden herzlich willkommen geheißen vom Dialogbeauftragten der islamischen Gemeinde, Herrn Rivan Ever.Dass dieses Gotteshaus nicht mit Schuhen zu betreten ist und rituelle Waschungen dem Gebet in der Moschee vorausgehen, wussten sie. Hier erfuhren sie aus erster Hand, wie sehr der Glaube den Alltag eines gläubigen Muslim bzw. einer Muslima durchzieht und prägt.




Gebannt lauschten sie auf dem Teppich sitzend dem Vortrag, der ihnen einen lebendigen Einblick verschaffte über die fünf Säulen bzw. Gebote des Islam und den Alltag der Siegburger islamischen Gemeinde. Und sie durften auch einen Blick von der den Frauen vorbehaltenen Empore auf den großen Innenraum mit Gebetsnische Richtung Mekka, Predigtkanzel und Rednerpult werfen.

Von dort ging die Wanderung weiter zur evangelischen Auferstehungskirche in der Annostraße. 

Pfarrer Joachim Knitter, der wenige Tage zuvor mit seiner Siegburger Gemeinde sein 25-jähriges Dienstjubiläum festlich begangen hatte, empfing die Gruppe und erläuterte ihnen die symbolische Bedeutung des Taufbrunnens im neugebauten Eingangsbereich mit seinem fließenden Wasser und der Himmelstreppe, die sich dahinter nach oben windet.

Besonders beeindruckt waren die Kinder von dem riesigen lichtdurchfluteten bunten Auferstehungsfenster, das dem großen schlichten Kirchenraum eine unverwechselbare Atmosphäre verleiht. 

Die Vorgängerkirche war im Krieg zerstört worden. In den 1950-er Jahren hatte die Gemeinde dieses Haus errichtet. Hier fanden viele evangelische Flüchtlinge im damals katholischen Siegburg ihre geistliche Heimat. Die Kirche stellt keine dickwandige Burg dar, sondern atmet mit ihren 4 Säulen, die die Himmelsdecke tragen, den Charakter eines Zeltes – so wie Gottes Volk Israel in seiner 40-jährigen Wanderschaft durch die Wüste in Zelten unterwegs war, immer bereit zum Aufbruch.

Am nächsten Tag machte sich auch Herr Leyendecker mit seiner Klasse mit uns auf interreligiöse Wanderschaft, diesmal zur ehemaligen Benediktinerabtei auf denMichaelsberg

Hier empfing uns Pater Austin, den etliche Kinder schon im ökumenischen Schulgottesdienst der Klassen 5 und 6 kennengelernt hatten. Da hatten sie ihm natürlich zuerst einmal auf die Füße geschaut, ob er als Mitglied des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten tatsächlich barfuß unterwegs ist – nein, die sechs indischen Mönche auf dem Michaelsberg ziehen auch Schuhe an

Er wurde von den mitgebrachten Fragen der beiden Klassen regelrecht „durchlöchert“ und gab in seiner fröhlich-zugewandten Art bereitwillig Auskunft über seine Heimat, seine Familie, seine Motivation, Mönch zu werden, seine Arbeit und seinen Alltag auf diesem Berg, die Geschichte des Klosters seit seiner Gründung vor 950 Jahren, übersetzte auch einen Satz in seine indische Heimatsprache und… und … und…

Derweil hörte man draußen den Bagger arbeiten, und vor dem Aufgang zur Kirche tat sich ein riesiges Loch auf, in das durch große Schläuche Beton floss.

Sorgen bereitete einigen Siegburger Kindern die Frage, ob die nur für den Neubau errichtete Fahrstraße am Berghang, den sie als ihren Schlittenhang lieben, auch wirklich nach der Bauphase wieder verschwindet.

Aber wir kommen ja wieder und schauen dann nach. Denn eines ist klar: diese Religionen-Projekt-Tage haben den Kindern nicht nur Freude gemacht, sondern unter strahlendem Himmel gesunde Bewegung in den Kopf und in die Beine gebracht und staunen lassen, wie viel den monotheistischen Religionen, die sich alle auf Abraham beziehen, bei allen Unterschieden gemeinsam ist.
 

Annette Hirzel