„Holocaust-Didaktik“ am Anno hat sich zum Schwerpunkt des Schul-Pfarramtes (im Rahmen der 50-%-Pfarrstelle) von Pfarrerin Annette Hirzel entwickelt, die dafür im Jahr 2008 eine zweiwöchige NRW-Lehrerfortbildung zu Holocaust-Education in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem absolviert hat.

Dazu gehören Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden und Vorträge im Rahmen von verpflichtenden Unterrichtsveranstaltungen, ebenso Besuche in der NRW-Gedenkstätte in Rosbach, einem ehemaligen jüdischen Wohnhaus in Trägerschaft des Rhein-Sieg-Kreises, in dem seit 1994 die Entstehung und Blütezeit der jüdischen Gemeinden im Kreisgebiet sowie ihre völlige Zerstörung während der Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert werden.

In Siegburg lädt der aus dem 14. Jhdt. stammende älteste erhaltene jüdische Friedhof in NRW mit seinen heute noch 364 Grabsteinen zum Besuch ein ebenso wie die vielen Spuren, die an das einst blühende jüdische Glaubenszentrum in und um die Holzgasse erinnern (z.B. der Gedenkbrunnen Am Brauhof, der an die in der „Kristallnacht“ zerstörte Synagoge erinnert, und weit über 70 in der Stadt verlegte Stolpersteine vor den Wohnhäusern ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger).

Zur „Erziehung nach Auschwitz“ gehören auch Angebote zu freiwilligen Gedenkstättenfahrten z.B. nach Buchenwald (die nächste geplant im Aptil 2019) mit Teilnahme an den Feierlichkeiten anlässlich der Befreiung im Jahre 1945. Im Mai/Juni 2018 fand die 5. Fahrt zur Gedenkstätte Auschwitz in Polen statt.
Unverzichtbare Voraussetzung ist die Bereitschaft der Jugendlichen, solche Fahrten, die sich von anderen Schulfahrten durch ihre besonderen und belasteten Orte, ihre Thematik und ihre inhaltliche Gestaltung unterscheiden, gründlich vor- und nachzubereiten und engagiert mitzugestalten.

Dankbar sind wir für vielfältige finanzielle und inhaltliche Unterstützung und Kooperation, z.B. mit der Gedenkstätte Landjuden an der Sieg in Rosbach und dem Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, mit der Evangelischen Kirche im Rheinland und dem evangelische Kirchenkreis An Sieg und Rhein ebenso wie mit dem Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln, der Bethe-Stiftung, der ibb Dortmund und dem Förderverein unserer Schule.


Einen großen Raum nehmen aber auch regionale Projekte ein, an denen sich engagierte Jugendliche auf freiwilliger Basis beteiligen können, die sich auf Spurensuche in unserer Region begeben und eigenständig in Archiven recherchieren und Zeitzeugen aufsuchen.

Die Ergebnisse fließen dann wieder in den Unterricht bzw. in Schulveranstaltungen ein, z.B. zum Pogromgedenken am 9. November oder zum Holocaust-Gedenktag anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar. Auch Angebote zu Lehrerfortbildungen gehören dazu.

Inzwischen sind mithilfe von Schülerrecherchen zwei jüdische Familienschicksale aus unserer Region als Schriften veröffentlicht und einige Zeitzeugengespräche an unserer Schule auf DVD gebrannt worden.

Bei der Internationalen Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages zum 27. Januar, zu der in jedem Jahr 80 in der Gedenkarbeit engagierte Jugendliche aus verschiedenen Ländern zu einer 5-6-tägigen Reise mit Teilnahme an der Offiziellen Gedenkveranstaltung in Berlin eingeladen werden, hat Pfarrerin Hirzel Benennungsrecht, so dass im Januar 2019 mit Gina Weßler zum zehmtem Mal das Anno-Gymnasium im Bundestag vertreten sein wird.