Holocaust-Didaktik“ am Anno hat sich zum Schwerpunkt des Schul-Pfarramtes (50-%-Pfarrstelle) von Pfarrerin Annette Hirzel entwickelt, die dafür im Jahr 2008 eine 2-wöchige NRW-Lehrerfortbildung zu Holocaust-Education in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem absolviert hat.

Die Kooperation mit und Unterstützung von der Gedenkstätte Landjuden an der Sieg in Rosbach und dem Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, beides unter der Leitung von Dr. Claudia Arndt, spielt dabei eine große Rolle.

Auch die Evangelische Kirche im Rheinland und der evangelische Kirchenkreis An Sieg und Rhein unterstützen diese Schwerpunktarbeit am Anno immer wieder mit großzügigen Zuschüssen.

Dazu gehören Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden und Vorträge im Rahmen von verpflichtenden Unterrichtsveranstaltungen, ebenso Besuche in der NRW-Gedenkstätte in Rosbach, einem ehemaligen jüdischen Wohnhaus in Trägerschaft des Rhein-Sieg-Kreises, in dem seit 1994 die Entstehung und Blütezeit der jüdischen Gemeinden im Kreisgebiet sowie ihre völlige Zerstörung während der Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert werden.

In Siegburg lädt der aus dem 14. Jhdt. stammende älteste erhaltene jüdische Friedhof in NRW mit seinen heute noch 364 Grabsteinen zum Besuch ein ebenso wie die vielen Spuren, die an das einst blühende jüdische Glaubenszentrum in und um die Holzgasse erinnern (z.B. der Gedenkbrunnen Am Brauhof, der an die in der „Kristallnacht“ zerstörte Synagoge erinnert, und weit über 70 in der Stadt verlegte Stolpersteine vor den Wohnhäusern ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger).

Zur „Erziehung nach Auschwitz“ gehören auch Angebote zu freiwilligen Gedenkstättenfahrten z.B. nach Buchenwald (2011), Sachsenhausen und Ravensbrück (2012) und im April/Mai 2014 in Kooperation mit der Düsseldorfer Stiftung Erinnern ermöglichen zum dritten Mal nach Auschwitz. Unverzichtbare Voraussetzung ist die Bereitschaft der Jugendlichen, solche Fahrten, die sich von anderen Schulfahrten durch ihre besonderen und belasteten Orte, ihre Thematik und ihre inhaltliche Gestaltung unterscheiden, gründlich vor- und nachzubereiten und engagiert mitzugestalten.

Einen großen Raum nehmen aber auch regionale Projekte ein, an denen sich engagierte Jugendliche auf freiwilliger Basis beteiligen können, die sich auf Spurensuche in unserer Region begeben und eigenständig in Archiven recherchieren und Zeitzeugen aufsuchen.

Die Ergebnisse fließen dann wieder in den Unterricht bzw. in Schulveranstaltungen ein, z.B. zum Pogromgedenken am 9. November oder zum Holocaust-Gedenktag anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar. Auch Angebote zu Lehrerfortbildungen gehören dazu.

Inzwischen sind mithilfe von Schülerrecherchen zwei jüdische Familienschicksale aus unserer Region als Schriften veröffentlicht und einige Zeitzeugengespräche an unserer Schule auf DVD gebrannt worden.

Bei der Internationalen Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages zum 27. Januar, zu der in jedem Jahr 80 in der Gedenkarbeit engagierte Jugendliche aus verschiedenen Ländern zu einer 5-6-tägigen Reise mit Teilnahme an der Offiziellen Gedenkveranstaltung in Berlin eingeladen werden, hat die Pfarrerin Vorschlagsrecht, so dass im Januar 2014 mit Nora Weeg (Q1) zum fünften Mal das Anno-Gymnasium im Bundestag vertreten war.