Anno-Karrieren: Caspar Armster

Die Bundestagswahl steht vor der Tür und alle verfolgen mit Spannung die zum ersten Mal im Fernsehen stattfindenden „Trielle“. Wenn am Sonntag das zweite dieser Rededuelle (was ja nun eigentlich der falsche Begriff ist) in der ARD stattfindet, ist auch das Anno-Gymnasium indirekt vertreten.

Nur wird das dem unbedarften Zuschauer kaum auffallen, denn der Vertreter des Anno-Gymnasiums wird sich ganz still verhalten und keine Fragen stellen. Er steht einfach nur da und sieht gut aus: Es ist der Tisch, an dem das Moderatoren-Team Tina Hassel (ARD) und Theo Koll (ZDF) die Kandidatin und die beiden Kandidaten für das Bundeskanzleramt, Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Armin Laschet (CDU/CSU) und Olaf Scholz (SPD) in die Zange nehmen werden.

Dieser Tisch wurde, wie auch das gesamte Studio, von dem ehemaligen Anno-Schüler Caspar Armster (Abi-Jahrgang 1993) gestaltet. Caspar Armster begann nach dem Abitur zunächst ein Studium zum Fotoingenieur, merkte aber schnell, dass dort der gerade laufende Übergang zur Digitalität verschlafen wurde.
Und so begann er eine Ausbildung bei einer Kölner Firma, die sich auf Grafik-Design spezialisiert hatte und digitale Animationen für Sendungen wie „Quarks und Co.“ oder Haribo-Werbespots entwarf. Später kam dann die Gestaltung von Studios z.B. für den WDR hinzu.

CasparArmster

Wenn also die Leiterin des Berliner „Spiegel“-Büros, Melanie Amann (die ihr Abitur am Anno 1997 abgelegt hat) sonntags beim „Presse-Club“ im Ersten mitdiskutiert, dann sitzt sie in einer Umgebung, die ein ehemaliger Schulkamerad mitgestaltet hat.

AmannPresseclub

Wahrscheinlich rührt das Interesse an Computern bei Caspar daher, dass das Anno-Gymnasium schon von Anfang bemüht war, bei Schülerinnen und Schülern das Interesse an Computern zu wecken. Bereits 1980 erstand die Schule einen Apple II+, der erst kurz vorher erschienen war. Mit 48 kB (!) Speicher stellte er das Maximum dessen dar, was privat oder für Schulen am Markt erhältlich war. Da die Schule sich finanziell nur das Grundgerät leisten konnte, wurde als Monitor ein privater tragbarer Fernseher eines Mathematik-Kollegen und als Speichergerät ein handelsüblicher Kassettenrekorder genutzt.

Der Andrang zur sofort gegründeten Computer-AG war groß, da sich zur damaligen Zeit privat so gut wie niemand einen Home-PC leisten konnte. Und das Gerät wurde natürlich nicht zum Chatten oder Zocken benutzt, da es die entsprechenden Netzwerke überhaupt noch nicht gab.
Es wurde programmiert (damals noch in BASIC) und es musste auf jedes Bit im Programmcode geachtet werden, da 48 kB Speicher schnell ausgereizt waren. Schon damals war die Begeisterung an den Geräten groß, aber man beschäftigte sich mehr mit den Grundlagen, als mit der Anwendung.

Kleine Anekdote am Rande: Der Antrag des Anno-Gymnasiums auf Einbeziehung des Internets in den Unterricht wurde vom damaligen Stadtrat abgelehnt, da dieser fürchtete, die entstehenden Kosten würden zu groß werden. Erst als nach mehreren Jahren die Telekom sich bereit erklärte, für die Schulen kostenlose Anschlüsse zur Verfügung zu stellen, konnte auch dieses Neue Medium im Unterricht verwandt werden.