Platon, Kant, Nietzsche... - und ich?

„Unsere analytischen Fähigkeiten sind oft schon weit entwickelt, bevor wir sehr viel über die Welt erfahren haben, und ungefähr im Alter von vierzehn Jahren fängt man von selbst damit an, über philosophische Probleme nachzudenken – über die Fragen, was wirklich existiert, ob wir überhaupt etwas wissen können, ob es tatsächlich Recht und Unrecht gibt, ob das Leben einen Sinn hat, ob der Tod das Ende ist.“

So beginnt der amerikanische Philosophie-Professor Thomas Nagel sein kleines Buch „Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie“.
Zwei Dinge, die von großer Bedeutung für den Unterricht des Faches Philosophie in der Oberstufe sind, treten in diesem Zitat in den Vordergrund. Da ist einmal die Tatsache, dass es in der Natur der Menschen liegt, sich Fragen über die Welt wie die oben genannten zu stellen. Diesem menschlichen Bedürfnis und dem Wunsch vieler junger Menschen, sich mit diesen oder ähnlichen Fragen intensiv auseinanderzusetzen, will das Fach Philosophie durch sein Themenangebot und seine Methoden in erster Linie entgegenkommen. Dabei geht es nicht nur darum, die Philosophie zu lernen, sondern auch das Philosophieren zu lernen.

Denn da gibt es noch einen wichtigen zweiten Aspekt in diesem Zitat. Man liest nämlich etwas von „analytischen Fähigkeiten“. Auch da will der Philosophieunterricht anknüpfen. Das Denken zu schulen, den Horizont zu erweitern, die eigenen Argumentationen zu durchschauen und zu hinterfragen, sich präzise und verständlich auszudrücken, eigene Problemzugänge zu entwickeln, zu präsentieren und zu modifizieren - das alles sind ganz wichtige Herausforderungen, denen sich Philosophieschüler immer wieder gerne stellen. Und was könnte dabei willkommener sein als die Auseinandersetzung mit den alltäglichen Problemen der Welt und vor allem den philosophischen Positionen weiser Menschen?

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant hat einmal in einem Aufsatz vier berühmte Fragen gestellt, die seiner Meinung nach die zentralen Inhalte der Philosophie ausmachen. Diese sind auch die thematisch wichtigsten Fragen des Philosophieunterrichtes in der Oberstufe:
  • Was kann ich wissen?
  • Was darf ich hoffen?
  • Was soll ich tun?
  • Was ist der Mensch?
Mit der letzten Frage „Was ist der Mensch?“ beschäftigen sich die Schüler des Philosophieunterrichts in der 10. Jahrgangsstufe nach einer Einführung in das Fach, die ganz unterschiedlich ausfallen kann. Dabei werden verschiedene Aspekte der Anthropologie erarbeitet. Worin unterscheidet sich der Mensch vom Tier? Ist der Mensch von Natur aus gut oder böse? Haben wir einen freien Willen? Wie wichtig sind andere Menschen für uns und unser Leben?

In der 11. Jahrgangsstufe stehen Themen im Vordergrund, die sich mit der dritten Frage beschäftigen. „Was soll ich tun?“ Das ist die Frage nach der Moralität, nach dem richtigen Handeln. Wir arbeiten dazu im ersten Halbjahr u.a. ausführlich zur Moralphilosophie Immanuel Kants. Des Weiteren geht es hier um Gerechtigkeit. Wie sieht ein gerechter Staat aus? Um sich dieser Frage zu nähern, widmen sich die Schüler verschiedenen philosophischen Positionen u.a. von Hobbes, Rousseau, Kant, Hannah Arendt und John Rawls.

Den Dimensionen der ersten und zweiten Frage Kants gehen die Schüler u.a. in der 12. Jahrgangsstufe auf den Grund. So werden hier ausführlich René Descartes „Meditationen über die erste Philosophie“ behandelt. Die Schüler kommen dabei mit der berühmten Formel „cogito ergo sum“ in Kontakt. Außerdem geht es hier um die Erkenntnistheorie Platons, der diese in seinem bekannten Höhlengleichnis veranschaulicht hat. Einen weiteren thematischen Schwerpunkt stellt John Lockes „Versuch über den menschlichen Verstand“ dar.

Das Fach Philosophie wird nur in der Oberstufe angeboten und von Frau Kranz, Herrn Schlott und Herrn Schocke unterrichtet.